Angela Harvey schrieb ihren Bericht vor gut 15 Jahren. Er ist so aktuell wie damals, nur sind wir heute schon etwas weiter. Leider werden immer noch zu wenige Collies untersucht. Aber diejenigen, die bis heute untersucht worden sind, sind bis auf ganz wenige Ausnahmen identisch und in sich homozygot! 

Screenshot – Clavonen’s Elli und gleiches Bild wie bei fast allen Collies, auch aus den USA.

Dass CEA, DM und der MDR1 Defekt beim Collie in so hoher Dichte vorkommen – und nun auch noch die Haplotypen – beweist, dass die Inzuchtrate beim Collie enorm hoch ist. D.h. welche Verpaarung man immer auch vornehmen mag, man bewegt sich immer in einem sehr engen Genpool. Deshalb ist es unerlässlich, dass sich Zuchtvereine und Züchter mit dieser Problematik dringend befassen. 

Hier einige hilfreiche Links:

MHC-Gene bei der Partnerwahl – Feragen

Haplotypenbestimmung beim Hund – Feragen

DLA-Gene und deren Aussagen – Feragen

DLA – Genetische Vielfalt – Feragen

Uptdate 3/2026

Öffentlich freigegeben mit ihren Haplotypen wurden bei Feragen 38 Langhaar Collies. Auch die Welsh Sheepdog-Kreuzungen stehen darunter. Das hat den Vorteil, dass man diese Hunde mit den Collies „matchen“ kann, was ja erwünscht ist. Es hat den Nachteil, dass die Zahlen zum durchschnittlichen IK verwässert werden und er beim reinen Collie sehr viel höher wäre als angegeben. Leider geben nicht alle Eigentümer ihre Testergebnisse öffentlich frei, und seit neuem bietet auch Laboklin Haplo-Tests an. Und es werden immer noch zu wenige Hunde getestet. Daher sind die Zahlen hier nur beispielhaft und sollen zum Nachdenken anregen. Sie ändern sich auch ständig mit neuen Tests.

Haplotypen

Es war erschreckend, als die ersten Testreihen ergaben, dass der Collie praktisch keine Diversität in den Haplos hat. Inzwischen hat man noch ein paar gefunden. Dennoch kann man nicht von einer Diversität sprechen. 

Haploaufteilung

13 FCI-Hunde             1 im Haplo 1   3 im Haplo 2

13 Nicht-FCI                2                      5

12 Welsh Cross           1                      4 

Dabei muss man bedenken, dass im Zusammenhang mit DMS im Haplo 2 nur ein variabler DRB1 für ein kleines c steht. Für die genetische Diversität brauchen wir aber unterschiedliche DRB1, DQA1, DQB1 und damit fällt ein vermeintlicher diverser Haplotyp  weg, da er außer im DRB1 mit dem Haplo 1 identisch ist: Haplo 1 201/901/101 Haplo 2 1501/901/101 würde für DMS Cc bedeuten, aber keinen Vorteil für die Diversität bieten.

Haplo 1

35 x 201/901/101 (11 x FCI, 12 x nicht FCI, 11 Welsh Cross)

1 x 601/5011/701 (ein Nicht-FCI-Hund)

Haplo 2

19 x 201/901/101 (9 x FCI, 5 x nicht-FCI, 5 Welsh Cross)

5 x 1501/901/101 (2 x FCI, 2 x nicht-FCI, 1 Welsh Cross)

4 x 601/5011/701 (1 x nicht-FCI, 3 x Welsh Cross)

5 x 1501/601/2301 (3 x nicht-FCI, 2 x Welsh Cross)

1 x 1301/101/201 (nicht FCI)

Haplo 1 und 2 201/901/101 = homozygot:

9 x FCI (von 11)

5 x nicht FCI (von 13)

5 x Welsh Cross (von 11)

Kurzhaar

Bei Feragen wurden 41 Kurzhaars getestet, da ist die Situation nicht besser aus: 89% 201/901/101; 9,8% 1501/901/101; 1,2% 601/5011/701…

Mal ein paar Rassen zum Vergleich: 

Border Collie, nur 37 getestet: 17 Haplos, der häufigste davon 21,6%

Bearded Collie, 89 getestet: 11 Haplos, der häufigste 40%

Bobtail: nur 3 getestet, aber 4 Haplos und die häufigsten zwei zu 33%.

Leonberger, für den gerade ein internationales Auskreuzungsprojekt begonnen wurde: 15 Haplos, der häufigste mit 28,2%

Whippet: 14 Haplos, der häufigste mit 38,6%

Dalmatiner: 15, der häufigste mit 28%

Saluki: 25, der häufigste mit 29,5%

Großpudel: 22, der häufigste mit 51,8%

Verlust der genetischen Diversität nicht aufzuhalten

Ändern kann man innerhalb der geschlossenen Population (FCI-Zuchtbücher) nichts mehr. Man kann nur durch kluge Zuchteinsätze die Würfel neu werfen und den Weg in die weitere Inzucht verlangsamen. 

Anstrengungen der Zuchtvereine gefragt

Ich hoffe nur, dass sich endlich die beiden VDH-Zuchtvereine gemeinsam mit Genetikern daran machen, die Situation zu verbessern. Man kann das nicht alleine auf die Schultern einiger Züchter lasten. Hundezüchter sind Hobbyzüchter, keine Profis wie die Nutztierzüchter. Bislang ist jedem einzelnen überlassen sich zu bilden, manche tun es, andere interessiert es nicht. Die Rassezuchtvereine im VDH haben sich die Zucht gesunder Rassehunde auf die Fahnen geschrieben. Genetische Vielfalt ist Gesundheit. Aber in dieser Hinsicht passiert beim Collie nichts. Nun hat man gerade mal bei den Briten die Verpaarung Kurzhaar-Langhaar erlaubt, aber fördern tut man sie nicht. Man muss über Einsatzbeschränkungen der Deckrüden und Wiederholungsverpaarungen, Testen des gen. IK und der Haplos fördern, Unterstützung von Neuzüchtern nachdenken, damit möglichst viele Hunde der Population in die Zucht gehen und nicht nur ein kleiner Prozentsatz. Dieser kleine Prozentsatz der zur Zucht eingesetzten Hunde macht die tatsächliche Zuchtpopulation aus! 

Zuchtvereine sollten ihre Aufgabe nicht in erster Linie darin sehen, die Zucht zu verwalten und Ausstellungen auszurichten, sondern züchterische Arbeit leisten, um die Züchter zu schulen und wissenschaftlich zu unterstützen. 

Nun komme mir aber bitte niemand damit, die Vereinsfunktionäre sind ja alle ehrenamtlich – was sollen sie noch alles machen. Die Vorstände müssen Wissenschaftler ins Boot nehmen, ihre Rassen analysieren und Lösungen suchen. Dafür stehen der wissenschaftliche Beirat des VDH und die Gesellschaft für kynologische Forschung bereit. Es geht einzig und allein um die Gesinnung der Vorstände: Will man überhaupt etwas verändern oder lieber die Augen verschließen… und hoffen, dass der Kelch vorübergeht? 

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Und wer nicht bereit ist, die Rassen vor dem Aussterben zu bewahren, in dem er offen ist für neue Strategien, sollte seinen Platz räumen für Menschen, die bereit sind das zu tun.“

Barbara Raugust