Romulus of Heather
Mit ihm fing alles an… die Geschichte der amerikanischen Collies in Deutschland. In Deutschland stationierte amerikanische Soldaten hatten nach dem Krieg immer mal ihre Collies mitgebracht. Auch mal einen Wurf gezogen, aber die Hunde fielen nicht auf. Ins Auge fielen sie im wahrsten Sinne des Wortes, als Familie Regner meine Ahnentafelsammlung im Zuge einer Doktorarbeit zur Epilepsie beim Collie durchforstete. Ihre Zucht war schwer von Epilepsie getroffen. Ich hatte schon Zeitschriften abonniert und Kontakte in die USA. Daher befanden sich in meinem Ordner auch Hunde aus den USA mit Fotos. In diesen Hunden, die Regners im Typ begeisterten, sahen sie einen Ausweg aus ihrer desolaten züchterischen Situation. Aber woher einen Hund aus den Staaten nehmen und nicht stehlen? Wir schrieben mehrere Züchter an, aber die Preise waren horrend. Vor allem, weil der Dollar damals gute 4-5 DM wert war. Dazu kamen teure Frachtkosten etc. Mal eben rüberfliegen war damals auch keine Option.

Beziehungen…
Und so wollte es ein Zufall, dass ein Bekannter erzählte, er habe Bekannte oder Verwandte in den USA, die Collies züchteten. Tatsächlich waren sie bereit, einen erwachsenen Rüden zu erschwinglichen Konditionen abzugeben. So kam Charlie – ich denke mal 1972 – ich machte 1973 den ersten Wurf mit ihm – nach Deutschland. Man hatte ihn 1970 in den USA auf CEA untersucht und einen Befund mit leichter CEA. Er war kein Champion, aber sehr korrekt und eine fantastische Persönlichkeit ohne Fehl und Tadel mit sehr gutem Nervenkostüm, etwas, das vielen Collies damals fehlte.
Auch in puncto Epilepsie ein Glücksgriff…
Wie sich später herauskristallisierte auch in puncto Epilepsie ein Glücksgriff. Natürlich war Epilepsie auch in den USA ein Thema, aber ohne social media kriegte man sowas ja kaum mit. Allerdings war der Collie Club of America immer sehr fortschrittlich und befasste sich mit diesem Thema. Ihn schrieb den Verantwortlichen an, und er durchkämmte unsere amerikanischen Ahnentafeln nach möglichen Vererbern von Epilepsie. Die Akte habe ich heute noch mit allen Namen und Ahnentafeln. Und tatsächlich gehörte Charlie zu denen, in dessen Linie nichts bekannt war.
Das dumme Erbe menschlicher Schwäche
Charlie hatte 23 Würfe. Inzwischen gab es einen halbamerikanischen Rüden aus Italien in Deutschland, der einen Gegenpol gegen die führenden Linien bieten sollte und viel deckte. Ein Konkurrenzkampf entfachte sich. Amerikanische und britische Collies wurden zu einem Politikum, das bis heute anhält und so vollkommen unsinnig ist, weil es wirklich nur auf menschlichen Schwächen vor langer Zeit basiert.

Aufgrund der „politischen“ Situation wagten viele Züchter diesen Outcross nicht, vielen gefiel Charlie auch nicht. Und so nutzten ihn mehrheitlich Züchter, die an belastbaren Hunden interessiert waren und weniger an Ausstellungserfolgen. Eine Züchterin orientierte sich ganz an Amerikanern, weitere Importe folgten, so dass Regners bald eine rein amerikanische Zucht aufbauten. Später kamen einige bedeutende Züchter hinzu, die aus den USA importierten.
What a story!
Ein sehr erfahrener und auf Ausstellungen erfolgreicher Züchter ergriff jedoch den Strohhalm, da er die gleichen Erfahrungen wie Regners mit Epilepsie machen musste. Schaumanns nutzten Charlie und behielten aus dem recht gemischten Wurf eine Hündin. Sie gingen mit ihr in erfolgreiche englische Linien zurück und aus dieser Linie ging ein Rüde mit seinen britischen Besitzern nach England. Dort wurde er durch Zufall von einer Colliezüchterin entdeckt, die von seiner Abstammung begeistert war, und zur Zucht eingesetzt. So wurde Charlie zum Vorfahr einer der erfolgreichsten britischen Colliehündinnen überhaupt: Ingledene Late Nite Love – Shady.
Die F1 – sehr gemischt
Ich hätte mir damals mehr wirklich gute deutsche Hündinnen als Partnerinnen für Charlie gewünscht, die dann in der F2 den wirklichen Nutzen des Outcross zeigten – wie im Falle Schaumann, die die wunderbaren Hündinnen und mehrfache Champion Queen von der Ruhrstadt und ihre Schwester Quirina von der Ruhrstadt, züchteten. Leider wurden die meisten Nachkommen viel zu jung und unfertig präsentiert – ich sagte immer: sie kann nur eine Mutter lieben! Sie brauchten früher viel mehr Zeit zur Reife, aber dann sah man sie nicht mehr.

Charlie lebt weiter…
Alles in allem ist Charlie heute noch in zahlreichen Ahnentafeln zu finden, da viele seiner Nachkommen in die Weiterzucht einflossen – und das nicht nur in Deutschland, sondern über Shady in Großbritannien und in der ganzen Welt!