Blick in die Ahnentafel… was sagt sie uns?

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Das Collie Breed Archive schenkte uns heute diesen schönen blue merle Rüden als Geburtstagskind. Ich fand ihn vor 33 Jahren schon wunderschön. Seine Abstammung war sensationell, die Creme de la Creme der Colliezucht seiner Zeit vereinte sich in seiner Ahnentafel. Er wurde nur zweimal im eigenen Zwinger eingesetzt und mit keinem seiner Kinder wurde gezüchtet. Erstaunlich. Die Ahnentafel ist für mich spannend, da ich ja viele Hunde persönlich kannte. Und auf den ersten Blick wirklich eine hervorragende Abstammung. Er hatte nur einen gemeinsamen Vorfahren in 5 Generationen. 

Vom ersten Blick zu 10 Generationen

Nun bietet uns aber das Collie Breed Archive die Möglichkeit 10 Generationen zu analysieren. 

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Ich nutze diesen hübschen Rüden als zufällig herausgegriffenes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich 10 Generationen anzuschauen. Für Genetiker das Minimum, um einen Eindruck vom Inzuchtgrad zu bekommen. Damals hatten wir weder diese Möglichkeit, noch waren IK (vom Laien nicht errechenbar) geschweige denn genetischer IK überhaupt ein Thema. Jetzt, wo wir es können, lohnt es sich hinter die Kulissen zu schauen: 

Zunächst die 5 Generationen, die wir uns üblicherweise anschauen:

Sein errechneter IK lt. Ahnentafel betrug 3,12% – Gratulation! Das ist gut. Ahnenverlust 11,2, von 62 möglichen Vorfahren sind 55 individuelle Hunde. Die 7 fehlenden doppeln sich, da ja ein Rüde zweimal vorkommt. 

Nun 7 Generationen:

Der IK 6,2%, immer noch passabel, der Ahnenverlust 40,2. Die häufigsten Vorfahren sind 9 x Aberthorne Arrester und 9 x Brettonpark Whatzizname. 

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Jetzt 10 Generationen:

IK 13,5%, wobei uns in der 9. einer und in der 10. Generation 6 Vorfahren fehlen. Ugony z.B. geht stark auf Ladypark zurück, so dass wir eher von einer höheren Zahl ausgehen könnten, aber bleiben wir bei dem, was wir haben. Es kommt nicht auf 100% Zahlen an, sondern den Gesamteindruck.

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Ahnenverlust: Von 2046 möglichen Vorfahren sind nur noch 463 geblieben! Wenn wir gar nichts von Genetik verstehen, so sind allein diese Zahlen eindrucksvoll. Stellen wir uns eine Menschenmenge von 2046 vor und lassen 1.583 wegtreten… die komplette Genetik beschränkt sich also auf diese 463 Hunde! 

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Der Blutanteil (Genetik):

Erläuterung im Collie Breed Archiv: „Unter Blutanteil versteht man den Anteil, den ein bestimmter Vorfahre innerhalb eines Pedigrees hat. Vater und Mutter machen natürlich jeweils 50% des Pedigrees aus; Großväter und Großmütter 25%, Urgroßeltern tragen 12,5% bei usw. z.B. trägt ein Tier, das in der Großelterngeneration aufscheint 25% bei und falls es zusätzlich in der Urgroßeltern-Generation vertreten ist, dann hat es einen Blutanteil von 37,5% (25+12,5).“

Vater Amalie Best Bitter 50%, Mutter Amalie Dreams of Blue 50%, wenn wir davon ausgehen, dass vier Hunde mit 25% als Großeltern vorkommen irren wir: es sind 5! Und wo sind die 8 x 12,5%? Es sind 11, wobei Dazzler of Dunsinane allein einen Blutanteil von 20,8% hat – also knapp den eines Großelternteils, obwohl er erst in der 7. Generation aufscheint, die wir auf der normalen Ahnentafel gar nicht sehen! Daran sehen wir, wie dicht die Abstammung erst in den späteren Generationen ist. In 10 Generationen 123 x Dazzler. 

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Genetischer IK versus rechnerischer IK

Der rechnerische IK ist nur ein Rechenmodell, bislang gab es nichts Besseres, aber er hat keinen Aussagewert für unsere praktische Zucht. Sehen wir in einer Ahnentafel, dass es sich um eine Halbgeschwisterverpaarung handelt, brauchen wir kein Rechenmodell mehr. Die Ahnentafel hat nur den Wert zu sehen, um welche Vorfahren es sich handelt, damit wir recherchieren können. Ein Züchter sollte möglichst viele Hunde aus der Ahnentafel persönlich kennen, da Fotos gar nichts aussagen. Wir sind in England tatsächlich Ahnentafeln abgereist, aber meist waren die Hündinnen nicht mehr da, weil sie oft nach ein paar Würfen aus dem Zwinger an privat gingen. Aber man konnte nahe Verwandte sehen und sich ein Bild machen. Hunde aufgrund ihres rechnerischen IK zu verpaaren ist Augenwischerei, denn die Gene machen was sie wollen. Wenn ich zwei nicht verwandte Hunde verpaare, die aber selbst jeweils aus einer Vollgeschwisterverpaarung stammen, bekomme ich einen rechnerischen IK von 0. In den Folgegenerationen, die die Berechnung nicht erfasst, haben sie vielleicht die gleichen Vorfahren und wir kommen möglicherweise auf 123 x Dazzler… oder Gladiator bei US-Pedigrees. So hohe Zahlen sind nicht ungewöhnlich. 

Gnadenlos aufgedeckt

Der genetische IK zeigt gnadenlos auf, wie es um die genetische Vielfalt eines Hundes tatsächlich bestellt ist. Bei der Auswertung einiger Kurzhaar-Zuchtrüden, deren Daten bei Feragen veröffentlicht wurden, kam ich bei 7 Generationen auf 16,25% im Durchschnitt gegenüber einem rechnerischen IK der Ahnentafel von im Durchschnitt 1,22%! 

Aber die Werte können bei zwei Wurfgeschwistern unterschiedlich hoch sein, je nachdem wie die Gene zusammentrafen. Beim LH gab es einen Fall: Ein Wurfbruder gen. IK 20%, der andere nur 3% (die Tests wurden überprüft).

Dass der Collie sehr stark ingezüchtet ist zeigen alleine die Zahlen der MDR1, DM und CEA-Tests, zu deren Beginn vor der Auslese der Züchter, 80-90% Genträger waren. 

Im nächsten Collie Talk am 21.8.26 gehen wir genauer auf die Situation beim Collie ein, ausgehend von den Top LH-Deckrüden 2023. 

Fantastisches Tool

Wenn wir schon so ein fantastisches Tool wie das Collie Breed Archive haben, lohnt es sich unbedingt, geplante Würfe vorab auf 10 Generationen abzutesten, evtl. noch weiter zurück. Denn es ist schon eher wahrscheinlich, wenn so weit hinaus die Zahlen gemeinsamer Vorfahren spärlich ausfallen, auch die Genetik breiter aufgestellt sein könnte. Sie gehen zwar alle auf die gleichen wenigen Ausgangstiere zurück, aber Mutationen verändern im Laufe der Generationen das Erbgut und das Prinzip der verschiedenen Linien – zeitlich und lokal separat aufgebaut – bringt wieder genetische Vielfalt. Leider gibt es dieses „Liniendenken“ nicht mehr. In England war das stark – separate Linien im Norden und im Süden – man hatte die Chance, Schwachstellen in der eigenen Linie auszugleichen. Es bleiben uns nur noch Amerika und vielleicht ältere Linien in Australien… aber durch Samenversand wird auch hier die Verquickung immer enger… 

Es geht um die Gesundheit

Ein sehr spannendes Thema… es geht hier nicht um die Produktion von Champions, sondern um das Wesentliche, die Gesundheit. Damit meine ich nicht Husten, Schnupfen, Heiserkeit, sondern Gesundheit ist in erster Linie sich auf gesunde Weise fortzupflanzen: Freies Decken, hilfefreies Werfen und Aufziehen großer gesunder Würfe, frohwüchsige Welpen… Das ist das A und O, das ist das Leben, Hunde können das! Wenn die Fortpflanzung nur noch mit unserer Hilfe möglich ist, sind wir zu weit gegangen und haben uns an der Natur und unseren Hunden versündigt!