Wie ich den 13. August 1961 erlebte…

Ferien auf dem Bauernhof meiner Verwandten im Thüringer Wald – ein Paradies mit Heuboden, Kühen, Schweinen, Hühnern, natürlich Hunden und Katzen. Doch in diesem Jahr war es anders… ich konnte es kaum erwarten wieder nach Hause zu kommen! Denn sofort nach meiner Rückkehr durfte ich meine Ilka abholen. Der Traum meines ersten Hundes, einer eigenen Lassie, sollte sich endlich erfüllen. Waren die Ferien sonst immer viel zu schnell vorbei, so zogen sie sich diesmal hin… doch ich nutzte die Zeit und meine lieben Verwandten kauften mit mir alles, was das künftige Hundehalterherz begehrte. Man konnte aus der DDR ja nicht viel mitnehmen, aber Hundeleinen, Halsbänder, Suchgeschirr, Suchleine etc. gab es in hervorragender Handarbeit aus feinstem Leder in Spezialgeschäften. Der Geruch des Leders haftet noch immer in meiner Erinnerung.

Ein besonderer Tag

Doch dieser Tag war besonders… die Menschen tuschelten, zogen die Stirn kraus, waren besorgt… es war etwas passiert. „Man baut eine Mauer in Berlin! Die Grenze in den Westen ist dicht!“ Die politische Bedeutung und welche Konsequenzen das eventuell haben könnte, drohte vielleicht wieder ein Krieg? – Die meisten hatten ihn erlebt… waren mir nicht klar. Aber nun saß ich da hinter dem Eisernen Vorhang und niemand wusste, ob ich je wieder nach Hause kommen würde. Wo mein Hund auf mich wartete! „Du kommst nach Hause, keine Angst!“ tröstete man mich, aber sehr überzeugend klang es nicht. Ich möchte gar nicht wissen, was meine Eltern durchmachten, die ihre kleine Tochter alleine per Bahn hatten reisen lassen. 

Die erste Nacht im fremden Bett

Tausendmal hatte ich mir ausgemalt, wie ich meine kleine Ilka abholen und in ihr neues Zuhause einführen würde – das erste Füttern, die erste gemeinsame Nacht! Meine Eltern holten mich am Bahnhof ab und auf mein erstes Wort: Holen wir jetzt Ilka? gestand er: „Ich habe es nicht mehr ausgehalten und sie schon abgeholt. Sie hat die erste Nacht bei mir im Bett geschlafen.“ 

Jahrzehnte später holte mich die Vergangenheit ein als ich meinen kleinen Nik abholte. Ich komme in das Zimmer, wo die Züchter mit Freunden und Hunden auf mich warteten… und mir stockte der Atem… ich stand wieder fassungslos am Stuttgarter Bahnhof… denn der einzige Welpe, der noch da war, schlief tief und fest im Hemd eines jungen Mannes, nur das Köpfchen hing heraus. Ich rief empört: „Ist das Nikki?“ Da hob er seinen Kopf, sprang aus dem Hemd und kam auch mich zu… meine – unsere Welt war in Ordnung…