Vor 100 Jahren – 1926 schrieb Gottfried Jansen in DER HUND über

die ersten Collies in Berlin

Gottfried Jansen, Colliezuchtstätte „Field Post“ züchtete von 1989 bis zum 2. Weltkrieg und war einer der führenden Züchter, insbesondere im Raum Berlin. Noch vor wenigen Jahren wurde eine wundervolle Glastrophäe, der Gottfried Jansen-Pokal auf der Berliner LG-Schau des Clubs für Britische Hütehunde vergeben bis er leider entwendet wurde.

Es war im Jahre 1888, wo ich den ersten Collie in Berlin erblickte und auch sofort Anhänger der schönen Rasse wurde. Mein einziger Wunsch war, gleich ein solches Tier zu besitzen, aber woher nehmen? Über Sportzeitungen der Hundeliebhaberei war ich nicht informiert. Durch Zufall bekam ich die Tierbörse in die Hände mit einer Anzeige: „Junge Collies abzugeben, Gebürsch in Mainz.“ Der Preis war nicht sehr hoch, aber immerhin viel Geld für den ersten Hund. Ich war erstaunt, als der kleine Kerl im Alter von zehn Wochen ankam – wie ein junger Bär, auch in der Farbe. Glücklicherweise konnte ich ihn ohne Kinderkrankheiten großziehen und war nicht wenig stolz, wenn ich öfter angehalten wurde und die Fragen sich immer wiederholten: „Was ist denn das für eine Rasse?“ Meine Antwort: „Ein Collie“ (schottischer Schäferhund musste ich natürlich immer beifügen, denn sonst war der Fragesteller auch nicht aufgeklärter als vorher).

Von Hundeausstellungen hatte ich bis dahin noch keine Ahnung, bis ich an einer Litfaßsäule ein Plakat entdeckte: Hunde-Ausstellung aller Rassen, veranstaltet vom Verein Hektor, Berlin, Flora, Charlottenburg, 1890. Selbstverständlich war ich Fett und Feuer, meinen Hero dort einzubringen. Am Tage der Ausstellung und bei der Einlieferung der Hunde morgens 8:00 Uhr war ich erstaunt, dass es doch noch mehr Collies gab, denn es war eine stattliche Zahl vertreten, schon aus Berlin 2-3 Stück. Meinen Hero hatte ich, weil man sagt: alle guten Dinge sind drei, in drei Klassen gemeldet. Der Preisrichter, ein Engländer, welcher auch gleichzeitig Foxterrier richtete, speiste Hero mit Reserve Preis in der offenen Klasse und zweimal h.l.E. ab in den anderen ab. Jedenfalls hat Hero auch nicht mehr verdient. Im Jahre 1896 kam dann die Gross-Ausstellung, Berlin-Treptow, wo eine stattliche Zahl von 30 Collies gemeldet war, aber meistenteils aus Süddeutschland, wo übrigens auch die ersten Züchter für Collies auftraten: denn in Mainz organisierte sich der erste Collie Club 1889, aus welchem später der continentale Collie Club entstand. Berliner Aussteller waren nur drei anwesend, und zwar Freiherr von Möller, Schwintzer und ich.

Die Hochzucht setzte erst von 1902-1910 in Berlin ein. Es war dasselbe Bild wie heute beim Deutschen Schäferhund: jeder dritte Hund, ein Collie, aber auch sehr viele, welche der Rasse keine Ehre einlegten!

Als Berliner Züchter traten im Jahre 1896 hervor: 

Freiherr von Möller, Zwinger, Obotritia, mit den Deckrüden Clydegrove Monarch, Thur Figaro, The Emperor Obotrittia. 

1898 setzte ich mit Heather Hero 95 und Zuchthündin Albion Marilla, Zwingername Field Post, ein. 

1900 folgten Zwinger Olveston, Besitzer Mister Stephens mit Deckrüde Tynemouth Rightaway, 

Zwinger Germany Besitzer, Sommer 

1903 Zwinger, Monbigou, Besitzer, Carl Sturm Deckrüde Wodan von Monbigou, 

Zwinger Piccadilly, Besitzer Chr. Kähler mit Zuchtrüden Ch. Moreton Coroner und Piccadilly Swell

Schün mit Deckrüden Thur Fullerton,

Trosse mit Ingo vom Rechberg, 

Wagner mit Graf Isolan,

 Schächinger mit Burgwart von der Iburg, 

dann folgten noch als Züchter ohne Deckrüden Mister Luß, Wegener, Braun, Schmidt und Hirschbruch bis der Krieg von 1914-1918 die Collie-Zucht, da der Collie nicht als Diensthund anerkannt wurde, ein jähes Ende bereitete.

Dass aber der Collie als Diensthund brauchbar ist, hat der Engländer bewiesen, da der Collie im englischen Heere vorzügliches geleistet hat. Dass der Collie, der von seinem Vetter, dem deutschen Schäferhund, verdrängt wurde wieder eine neue Laufbahn beginnt, hat uns die letzte Collie-Sonderausstellung am 8. und 9. Mai in Chemnitz gezeigt, wo ein vorzügliches Material von 19 Tieren vorhanden war.

Dabei war nicht ein einziges Tier vorhanden, welches mit Nervosität behaftet, wie es bei Rassen, welche heute in der Hochzucht stehen, öfter zu beobachten ist. Nach einigen Jahren wird der Collie wieder seine Liebhaber gefunden haben, die derselbe vor dem Kriege gehabt hat, und das mit Recht, denn ein edel gezüchteter Collie in seinem prächtigen Haarkleid wird auch von Hundelaien stets bewundert werden. 

Mit Collie-Heil! 

Gottfr. Jansen, Berlin, Niederschönhausen.