Collie on the Watch – Situation der Rassehundezucht im Mutterland

Der Royal Kennel Club veröffentlichte die Eintragungsziffern für 2025. Der einst bedeutendste Hundezuchtverband, auf dem die gesamte organisierte Rassehundezucht praktisch basiert, rutscht weiter in die roten Zahlen. 

Dazu muss man wissen, dass es dem Züchter überlassen ist, wie viele Welpen er einträgt. Er meldet den Wurf selbst. Nur von Hunden, die beim RKC eingetragen sind, dürfen Nachkommen wiederum eingetragen werden. Das ist praktisch die einzige Qualifikation, abgesehen von tierschützerischen Maßnahmen wie Wurfhäufigkeit, Altersbegrenzung etc. 

Insgesamt gingen die Eintragungsziffern von 2016 (227.708) zu 2025 (158.911) um 68.797 – rund 30% –  Hunde zurück. Ein kurzer Vergleich: 2024 wurden beim VDH 56.851 Hunde eingetragen, beim RKC 187.772! 

Alle Rassegruppen verzeichneten einen drastischen Rückgang, außer den Hounds mit einem Zuwachs von 5.308, der fast ganz auf die Popularität des Dackels zurückzuführen ist. Die Utility Group hat sich praktisch halbiert aufgrund des drastischen Rückgangs von French Bulldog und English Bulldog, so hat sich doch das Bewusstsein der Trendhundefreunde gewandelt. Sicherlich nicht zuletzt wegen der horrenden Tierarztkosten, die mit solchen Hunden verbunden sind.

Eintragungsziffern nach Gruppen

Gundogs (Jagdhunde unter Führereinfluss)                                     74.970 -9.810

Hounds (Jagdhunde ohne Führereinfluss)                                        20.841 +5.308

Utility („nützliche“ Hunde)                                                                20.188 -31.928

Terrier                                                                                                 14.963 -4.473

Toy (Kleinhunde)                                                                               10.500 -16.737

Pastoral (Hütehunde)                                                                        9.263   -4.982

Working (Arbeitshunde)                                                                   8.186   -6.175

Collie Lang-und Kurzhaar

Der Langhaar Collie hat sich seit 2016 (668) auf 2025 (345) praktisch halbiert! Das dürfte geschätzt etwa die Hälfte der 2025 in Deutschland eingetragenen Collies sein. 

Der Kurzhaar ging von 89 in 2016 auf 56 in 2025 zurück. 

Drastisch zurückgegangen sind der Border Collie und der Deutsche Schäferhund. Der Pembroke Corgi ist einer der wenigen mit einem kräftigen Plus, wohingegen der Cardigan von 218 auf 80 zurückging. Selbst der Sheltie musste Federn lassen, der Old English reduzierte sich um die Hälfte, auch der Beardie ging weiterhin stark zurück. 

Gefährdete Rassen

Nach Ansicht des RKC ist eine Rasse bei weniger als 300 Eintragungen im Jahr genetisch in ihrer Existenz bedroht. Daher werden Rassen britischen Ursprungs in der Liste der „vulnerable breeds“ – der gefährdeten Rassen – aufgeführt. Es ist erstaunlich, wie viele durchaus bekannte Rassen darunterfallen. Bei den britischen Hütehunden sind es der Bearded Collie (158), Kurzhaar Collie (56), Welsh Corgi Cardigan (80). Unter Beobachtung steht mit 345 Eintragungen der Langhaar Collie. Warum der Old English mit 218 Eintragungen unter Beobachtung und nicht in der gefährdeten Liste erschließt sich mir nicht. Wenn der Trend so weitergeht, wird sich eine der weltweit populärsten Rassen, die Großbritannien je hervorgebracht hat, im nächsten Jahr auf der Liste der gefährdeten Rassen befinden. 

Rasseclubs gefragt

Ich gehe davon aus, dass sich die Rasseclubs – es gibt viele, die aber alle keine Zuchthoheit haben, jedoch im Breed Councel zusammenarbeiten, um geschlossen dem Kennel Club gegenüber zu treten – dazu ernsthafte Gedanken machen. Woran liegt das? Eine langjährige Züchterin meinte, es würden leider längst nicht alle geplanten Welpen geboren, d.h. viele Hündinnen nicht aufnehmen, kleine Würfe fallen oder Welpen sterben. Das wäre natürlich der „worst case“, denn das spricht nur allzu deutlich für Inzuchtdepression, die innerhalb der Rasse, auch durch Importe, nicht rückgängig gemacht werden kann. Eine Ausnahme könnten die US-Collies darstellen, die aufgrund der langen Trennung eine durch ständig stattfindende Mutationen unterschiedliche Genetik aufgebaut haben, obwohl sie innerhalb ihrer Population ebenfalls stark ingezogen sind. In Großbritannien spielen amerikanische Importe bei weitem nicht die Rolle wie hierzulande. 

Der Royal Kennel Club arbeitet mit Macht an Programmen zur Erweiterung der Genpools, hat Genetiker angestellt, die sich diesem Thema widmen, aber das nützt alles nichts, wenn die Erkenntnis nicht aus der Züchterschaft selbst kommt, die einmal kritisch gegenüber den Iststand hinterfragt im Vergleich zu dem, was Hundehalter heute wollen: Gesunde, pflegeleichte, belastbare, alltagstaugliche, umgängliche Hunde. Zum anderen kritisch den genetischen Zustand auf den Prüfstand stellt, genetische IKs abruft, was dann keine Diskussion mehr offenlässt, wie gesund die Rasse doch ist. Im Vergleich zu anderen… aber ehrlich, wen interessieren „andere“ Rassen??? Wenn es jedoch an der wichtigsten Funktion eines Lebewesens, nämlich an der Fortpflanzung hapert, dann ist eine Rasse einfach nicht gesund! 

Mutterland einer Rasse

Das Mutterland einer Rasse bestimmt seit jeher den Weg des Zuchtverlaufs und man war im Ausland bestrebt, weiterführendes Zuchtmaterial im Mutterland zu kaufen. Ich erinnere mich noch gut an die „Verkaufsaktionen“ auf der Crufts in den 1960er Jahren. Welpen wurden zeitlich so geplant, dass sie zur Crufts gezeigt werden konnten, denn da standen Trauben potentieller Käufer aus aller Welt, informierten sich über den Stand der Zucht und kauften vor Ort Hunde, deren Exportformalitäten direkt auf der Crufts erledigt werden konnten. Da für die Einreise nach Großbritannien eine sechsmonatige Quarantäne bestand galt das Land als tollwutfrei und es genügte ein aktuelles Gesundheitszeugnis für die Ausreise. Einmal bin ich mit drei Collies nach Hause gefahren – im ZUG!! Englische Deckrüden waren begehrt und brachten gutes Geld ein. Wer weiterkommen wollte, kaufte natürlich auch Hündinnen ein. Die zweite große Exportwelle kam nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Heute holen englische Züchter Hunde aus Frankreich und Russland… die allerdings auf Exporte zurückgehen und keine Blutauffrischung bringen.

Alle Collies in Großbritannien wenigstens Cousins 1. Grades

Daher müssen die Zahlen zur Inzucht, die der Kennel Club anhand der in seinem Archiv vorhandenen Generationen einbringt, mit Vorsicht genossen werden. Bei Importen fehlen weitere Generationen im britischen Register und verfälschen das Bild. Rechnerisch scheint dann keine Verwandtschaft in den ersten Generationen auf. Dennoch liegt der IK im Rassedurchschnitt lt. RKC bei 16%. Alle Hunde sind demnach so eng verwandt wie Cousins 1. Grades, aber nicht ganz so eng wie Halbgeschwister… Allerdings sagt die IK-Berechnung auf Pedigreebasis nicht wirklich etwas aus, da sie eben nur ein Rechenmodell ist, und ehe es den Gentest gab, die einzige Orientierungsmöglichkeit bot. Der tatsächliche genetische Inzuchtgrad sieht dagegen anders – und bedenklich hoch aus. Er kann aber auch unter Wurfgeschwistern stark variieren. Siehe Population Analysis.

Eklat auf der Crufts

Der Eklat beim Richten des Best in Show der Crufts, ausgerechnet vom FCI-Präsidenten verursacht, mag vielleicht dem Clumber Spaniel einen kleinen Aufschwung bringen, aber der Schaden ist angerichtet, weltweit – und die Folgen werden wir erst noch zu spüren bekommen. In Deutschland geht es schon los mit dem Ausstellungsverbot, die EU wird folgen… Zuchtverbote einzelner Rassen in anderen Ländern…  der Zwang wie in Flandern, keine geschlossenen Zuchtbücher innerhalb irgendwelcher privaten Vereine mehr zu führen, sich Auskreuzungsprojekten zu öffnen werden folgen…  und wir müssen uns von alten Gewohntheiten verabschieden. Das ist keine Katastrophe, sondern eine Herausforderung und Chance für viele wundervolle Hunderassen. 

Als Tamas Jakkel, der Präsident der FCI, die sich ja die Gesundheit der Hunde auf die Fahne geschrieben hat, ausgerechnet den Clumber Spaniel herausrief, fragte ich mich, was mag er für Augen haben und wunderte mich. Habe ich mich doch bei den Fotomodellen für meine Bücher immer bemüht, KEINE Extreme zu zeigen, um den Lesern den Unterschied deutlich zu machen, damit sie eben die kranken Extreme nicht für normal halten. Es ist mir nicht immer gelungen… hier die ChatGPT Skizze mit dem stark herabhängendem Augenlid, das ständig Unbehagen für einen Hund bedeutet. Egal wie dumm die Begründungen sind – damit wäre das Auge beim Durchlaufen des Dickichts besser geschützt… dabei sind die Showtypen der Clumber schon lange nicht mehr zur Erfüllung ihrer Aufgabe mehr in der Lage. Daneben mein Foto, das zwar ein besseres, aber immer noch sehr loses Augenlid zeigt. Nur mal so…