60 Jahre CACIB-Schau Groningen

Ausgerechnet heute, wenn die Schau in Groningen läuft, stoße ich auf einen Katalog von 1965!

Da bietet sich ein Vergleich an. 

Meldungen     1965    2026/Tag 1      Tag2

JKR                  9          1                      3

OKR                 8          1                      2

JKH                 20        1                      1

OKH                13        3                      6

Es gab noch eine Zuchtklasse, in der man zusätzlich melden konnte.Aber es gab offenbar keine Champion- und Zwischenklasse. War 1965 nur ein Aussteller aus Belgien anwesend, waren es 2026 mehrheitlich Aussteller aus dem Ausland.

Berühmte Züchterin richtet

Es richtete Joyce Sargeant, Carramar Collies, England. Carramar war DER Zwinger zu der Zeit für blue merles. Es ist ihren herrlich gefärbten Hunden zu verdanken, dass Colliefreunde zweimal hinschauten und sich für die eigentlich unbeliebte Farbe erwärmten. Die meisten waren düster und nicht von klarem Blau. 

Damals befand sich die Colliezucht in den Niederlanden mitten in ihrem Typenstreit. Der Nachkriegscollie in Holland war eher ein Bordertyp und hatte wenig Ähnlichkeit mit den Hunden im Mutterland. Hunde aus Massenzuchten gelangten mit Raad van Beheer Papieren über den Hundehandel nach Deutschland. Man erkannte sie von weitem. Viele Züchter damals fingen mit so einem Hund an. 

Maßgeblich an der Umkehr und Akzeptanz des englischen Standards beteiligt war das britische Ehepaar Joe und Betty Kat, die in den Niederlanden eine große Zuchtstätte mit Kennelmaid betrieben. Sie kauften als totale Anfänger ihre ersten Collies in England. Ich erinnere mich noch, wie mir Margaret Osborne schnaubend erzählte, dass man bei ihr einen Rüden als reinen Familienhund zu kleinem Preis kaufte, der nicht für die Zucht gedacht war, dann noch eine Hündin dazu kauften und eine Zucht aufbauten. Aus dieser Verbindung kamen schöne Hunde, die nicht nur in den Niederlanden Einfluss auf die Zucht nahmen. Leider ist Joe Kat viel zu früh verstorben, in Erinnerung an ihn findet heute noch die Joe Kat Show für Hütehunde in den Niederlanden statt. 

Englische Importe dominieren

Wir sehen also unter den Meldungen Hunde beiden Typs, und die vielen Importe zeigen, wie sehr man sich um den Anschluss ans Mutterland bemühte. Und auch, welche Bedeutung der ausländische Markt für die britischen Züchter hatte! Wie zum Anfang von vor 100 Jahren, als die Rasse praktisch für den amerikanischen Markt gezüchtet wurde. Heute spielen Importe aus dem Mutterland keine Rolle mehr, und bei 126 Welpen 2024 in den Niederlanden tut sich da nicht mehr viel. Interessant ist auch, dass man sich nicht scheute zwei Hunde aus der Zucht des Richters auszustellen. Wie peinlich, wenn der Züchter seine eigenen für gutes Geld verkauften „Spitzenhunde“ womöglich hintan stellen muss…  Sehr beliebt waren die Bririchs von Vera Hickson, es waren 4 gemeldet. Führende Zwinger waren Libreco von Barbara Dudok de Wit und Maramin’s von den Kats. Stark vertreten der Zwinger Roccaro. 

Da Joyce Sargeant eine blue merle Liebhaberin war, wurden viele Blaue ausgestellt. Es waren auch einige damals noch üblichen merle x merle Verpaarungen dabei. 

Kats Importrüde von Margaret Osborne „Sporting Risk from Shiel” war offenbar ein begehrter Deckrüde. Mit ihm hofften auch die Züchter alten Typs Anschluss zu finden. 11 Kinder und einige Enkelkinder waren vertreten. 

Witzig auch die Preise

Je 5 Gulden für den besten Rüde und die beste Hündin

Buchstützten für den besten Hund

Kleine Pokale, Aschenbecher und Groninger Kuchen 

Von den 8 Rüden der Offenen Klasse erhielten 3 ein gut, 1 Sehr gut. V1 CACIB, CAC Westcarrs Black Beaver, Import im Zwinger Roccaro, V2 und res. CACIB Carramar Rowsbur Silver Shadow, Import, in der gleichen Zuchtstätte, V3 Libreco’s Golden Firing Temper von Barbara Dudok de Wit. In der Zuchtklasse (noch im Besitz des Züchters, was wir ab 27 auch wieder bekommen) waren 4 Hunde gemeldet. Sie bekamen SG. In der Jugendklasse traten 6 an: SG 1 Black Carlyon the Shepherds Friend, SG2 Carramar Blue Barukhzy, SG3 Nocher van’t Wijmenbosch

Bei den Hündinnen nahm Familie ten Cate-Vries mit ihren beiden Bririch-Importen CACIB und res. CACIB mit nach Hause. Auch V3 war ein Bririch-Import. 4 Hündinnen bekamen SG, 3 ein Gut. Die Zuchtklasse gewann Nancy van’t Wijmenbosch mit ihrem Züchter Ernest van den Broeck aus Belgien. Von den anwesenden 17 Hündinnen in der JK (heiße Hündinnen durften damals nicht ausgestellt werden) Nancy das V1. SG 2 Maramin’s Koh-i-Noor, SG3 Roccaro Chindy.  

Ausstellungen echte Zuchtschauen

Können Sie sich nun vorstellen, was uns damals die Ausstellungen bedeuteten, wenn man wirklich Nachzuchten und wichtige Zuchthunde sehen konnte? Und man wollte gerne die Meinung eines kompetenten Richter, der sich als erfolgreicher Züchter ausgezeichnet hatte. Ein V von dem und dem war etwas Besonderes, auch wenn man gar nicht platziert wurde…