Zusammenfassung aus der Collie Revue vom März 1986 – damals war der Australian Shepherd noch eine unbekannte Größe in Europa und nicht der Top-Showhund von heute. Damals wussten wir auch nichts vom Welsh Sheepdog, denn in Wales begann man erst 10 Jahre später sich speziell dem Erhalt des ursprünglichen, einheimischen Hütehundes zu widmen. Die Beschreibung der Arbeitsweise passt sehr gut zum Welsh Sheepdog. Vor allem die Eignung als Treibhund, da in Wales die Rinderzucht große Bedeutung hatte und heute wieder gewinnt. Allerdings brauchte man in Wales keinen Schutzhund, da es anders als in den Staaten keine Bedrohung durch Raubtiere oder Diebe gab. Man konnte diese Eigenschaft vernachlässigen, was heute unseren Haltungsbedingungen in Europa entgegenkommt. 30 Jahre später konnte ich in Deutschland eine Züchterin und ihre Hunde persönlich kennenlernen. Die Wesensbeschreibung war entsprechend – ein territorialer Hund, der Fremden nichts abgewinnt und gute Führung braucht – und es war nicht leicht Menschen für ihre Welpen zu finden, die den Hunden gerecht wurden. Inzwischen züchtet sie nicht mehr. Wer aktuell English Shepherds in Deutschland kennt, darf sich gerne melden.

Der English Shepherd
In einer amerikanischen Hundezeitschrift entdeckte ich Anzeigen von Züchtern einer Rasse, die mich sehr interessierte. Zweifelsohne gehörte dieser Hund zur Familie der britischen Schäferhunde, insbesondere der Collies. Die Rasse wird in den USA vom English Shepherd Club betreut und vom UKC, allerdings nicht dem AKC, anerkannt. Man findet sie nicht auf den offiziellen Ausstellungen. Aber wie der Australian Shepherd handelt es sich um einen beliebten und verbreiteten Farmhund. Anhand der Fotos kann man sehr starke Ähnlichkeit mit den Abbildungen der ersten Collies im 19. Jh. feststellen, mehr Ähnlichkeit als mit dem modernen Border Collie. Der English Shepherd Club schrieb mir: „Es gibt nur noch wenige, wenn überhaupt, English Shepherds in England oder Schottland, wo man sie als Scotch Collies bezeichnet. Es sind die „loose-eyed dogs“, die die Schafe weniger mit den Augen fixieren. Sie wurden von den ersten Siedlern Amerikas mitgebracht und sind noch immer nützliche Farmhunde, die sich für vielerlei Arbeit eignen. Sind unter den Hütehunden als diejenigen „mit dem gesunden Menschenverstand“ bekannt. Sie wissen, wann sie hart anpacken und wann sie sanft eingreifen müssen.
Die Geschichte des English Shepherd
Die Vorfahren der English Shepherds wurden von den ersten englischen Siedlern in die neuen Kolonien mitgenommen. Damit spielten sie eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir wissen, dass im Laufe der Jahrhunderte viele schottische, irische und walisische Farmer in die USA auswanderten. Sie nahmen ihre Hunde mit, die Herden trieben, Haus und Hof vor feindlichen Menschen und wilden Tieren schützten. Diese nützlichen Hunde wurden hoch geschätzt und auf den Farmen überall in den Kolonien entsprechend den Anforderungen der neuen Heimat gezüchtet. Man bezeichnete sie als „altmodische Farm Collies“.
In jüngster Zeit nannte man sie English Shepherd, um sie vom Show Collie abzugrenzen. Seit mehr als 40 Jahren wird die Rasse registriert.

Der britische Autor und Hundetrainer John Holmes unterscheidet sie vom heutigen Border Collie wie folgt:
„Es gibt einige Collietypen, die sich deutlich vom Border Collie unterscheiden, denn sie arbeiten „mit losem Blick“. Die meisten stammen aus Schottland. Zu ihnen gehört der altmodische Scotch Collie, von dem der moderne Ausstellungscollie abstammt. Heute sind diese Hunde nahezu ausgestorben, aber ich erinnere mich noch gut an einige dieser Hunde aus meiner Jugendzeit. Es waren alles unproblematische Hunde, nützliche, aber keine eifrigen Arbeiter und ebenso gerne bereit, faul herumzuliegen, wenn gerade nichts zu tun war. Ich persönlich finde es sehr schade, dass dieser Typ praktisch durch die Beliebtheit der Hunde „mit starkem Blick“ ausgerottet wurde. Für die tägliche Arbeit auf der Farm waren sie oft sehr viel besser geeignet als der spezialisiert gezüchtete Hund.“
“The Farmer’s Dog,” London 1975, Seite 55

Der English Shepherd – Amerikas Viehhund
Der English Shepherd ist ein erstklassiger Arbeitshund, weil seine Züchter stets vorrangig Wert auf sein Können beim Treiben legten. Er ist groß genug, um weite Strecken zurückzulegen und klein genug, um wendig zu sein. Er ist ausreichend kräftig und ausdauernd, um viele Meilen weit über jegliches Terrain zu rennen, und er hat ein Fell, das ihn vor jeder Witterung schützt. Sehkraft, Hörvermögen und Geruchssinn sind gleichermaßen ausgeprägt, keine dieser Fähigkeiten wurde besonders auf Kosten der anderen gefördert. Die Nase ist gut genug, um ein verlorenes oder verletztes Tier aufzuspüren, das Gehör erlaubt es, die Stimme seines Herrn über erstaunliche Entfernungen zu hören, und er kann ein sich bewegendes Tier auf eine Entfernung von 2 Meilen sehen. Die Anforderungen an seine geistigen Fähigkeiten sind noch größer. Der ideale Viehhund muss ein ruhiges Wesen haben, damit er den Stress harter Arbeit über viele Stunden am Tag ertragen kann. Er muss eine rasche Auffassungsgabe besitzen und ein starkes Bedürfnis zu gehorchen, damit der Besitzer ein Minimum an Zeitaufwand für seine Ausbildung aufbringen muss. Kurz gesagt, er braucht alle Fähigkeiten, die einen natürlichen Arbeitshund ausmachen. Auch der Ferseninstinkt muss vorhanden sein. Ein Hund, der zum Kopf des Viehs läuft und bellt, ist unnütz. Ein Shepherd hält sich an die Fersen der Tiere und beißt, wenn nötig auch zu, um sich Respekt zu verschaffen. Dabei ersetzt ein Hund gut zwei oder drei berittene Männer. Der Milchviehzüchter braucht einen Hund, der nicht zu grob ist. Er kennt den Unterschied zwischen einer Kuh und einem Kalb und handelt entsprechend. Er lernt, wohin jedes Tier gehört und sorgt dafür, dass die Tiere auch dortbleiben.

Durch die Auslese auf ein optimales Gebäude für seine Arbeit hat er die Schönheit eines trainierten Athleten, kraftvoll und doch elegant. Er hat eine Schulterhöhe von etwa 50 cm – 60 cm und wiegt etwa 25 Kilo. Ein kräftiger, muskulöser Hund, der auf kurze Entfernung sehr schnell ist. Sein ganzer Körper ist in den Bewegungsablauf einbezogen, und er kann blitzschnell starten, stoppen und wenden. Der Kopf ist breit zwischen den Ohren, die Kiefer sind kraftvoll, ein glänzendes, wasserabstoßend Fell schützt seinen Körper. Rute und Rückseite der Läufe sind gut befedert. Die Ohren werden dicht am Kopf getragen und in Aufmerksamkeit leicht erhoben. Die braunen Augen drücken Vertrauen und ständige Konzentration aus. Der Shepherd kommt schwarz-markenfarbig, tricolour, schwarz-weiß und gelb-weiß vor.
Der English Shepherd ist ruhig und freundlich in der Familie des Farmers, ein zuverlässiger Gefährte für die Kinder. Fremden gegenüber kommt sein Schutztrieb zum Ausdruck und macht ihn zum erstklassigen Wachhund. Er lernt, alle kleinen Räuber zu töten, die sich an den Hühnern gütlich tun. Mit wenig Training gibt er auch einen guten Jagdhund ab. Viele Farmer hüten mit diesem Hund erfolgreich Schafe und Ziegen. Jedoch wurden sie zum zum Zupacken gezüchtet. Wer einen vielseitigen Hund braucht, sollte das Training mit den Tieren beginnen, mit denen der Hund am sanftesten umgehen muss. English Shepherds eignen sich auch hervorragend zum Einfangen und Treiben von Schweinen.

Der English Shepherd hat eine tiefe Zuneigung zu seinem Herrn. Deshalb ist er stets bei ihm, wenn er gebraucht wird. Zeigt man ihm die Arbeit, die er tun soll, wird er sie nach besten Kräften erfüllen.