The Royal Kennel Club hat großartige Arbeit geleistet, um die Situation der Rassen anhand der Daten der Eintragungen beim Kennel Club (Pedigree) zu analysieren. Auf der Website des RKC kann man die einzelnen Rassen anfragen und bekommt die jeweilige Studie zeitnah per Email. Natürlich habe ich mir den Collie kommen lassen. Zum besseren Verständnis hier ein paar Erläuterungen: Es wird in Großbritannien kein Zuchtbuch wie bei uns geführt. Züchter melden Welpen zur Eintragung. Diese gehen in eine Datenbank ein, die bis in die 1980er Jahre zurückreicht. Man unterscheidet zwischen „geplanter Zucht“ und „Verkaufszucht“. Unter geplanter Zucht versteht man Zuchthunde, die aufgrund von Ausstellungsplatzierungen (Platzierungen, da es keine Bewertungen gibt. Platziert wird, was da ist) eine sog. Stud Book Number erlangen und im Stud Book eingetragen werden. Wer nur Welpen zum Verkauf züchtet ohne ein Interesse an Ausstellungen zu haben zählt zu den Verkaufszüchtern. Dazu gehören durchaus auch kommerzielle Züchter. Vermutlich spielen sie aber nicht mehr die Rolle, weil Collies keine Verkaufsschlager mehr sind. Interessant fand ich, dass tatsächlich auch falsche Angaben „akzeptiert“ werden, d.h. es wird ja nichts überprüft. Wichtig ist nur, dass die Elterntiere bereits eingetragen sind. Um Gebühren zu sparen kommt es offenbar vor, dass kleine Würfe zusammengeworfen werden. Noch ein Grund, den IK-Berechnungen anhand der Ahnentafeln keine allzu große Bedeutung beizumessen…
Im Jahr 2000 wurde die 6 monatige Quarantäne nach Großbritannien aufgehoben. Seitdem wurden viele Hunde nach GB importiert. Diese Importe verzerren das Bild der IK-Berechnung nach Pedigree, denn es liegen dem RKC nur die Generationen vor, die mit den Daten zum Hund bei der Eintragung vorliegen. Für die Ermittlung des IK wirken sie wie fremdes Blut und produzieren einen niedrigen IK. Ich habe einige Stichproben gemacht und wie erwartet, gehen all diese Importe auf britische Hunde zurück und bieten daher keinen wirklichen Outcross (Ausnahme die mir bekannten 3 US-, 2 Kan. Importe). Wären diese Daten vollständig, sähe der IK lt. Pedigree-Berechnung sehr viel schlechter aus. Daher wäre es überlebenswichtig für die Rasse den genomischen Inzuchtkoeffizient auszutesten, denn nur der zeigt die echte genetische Situation.

Ich gebe hier das Wesentliche in freier Übersetzung weiter:
RKC Population Analysis
Zusammenfassung:
- Die Mehrheit der Pedigree-Daten in der RKC Database beruht auf Hunden, die im UK geboren und im Wurfregister eingetragen wurden
- Die Population der Rasse erlitt einen deutlichen Rückgang zwischen 1990 und 2021
- Der Prozentsatz der Rüden, die zur Zucht eingesetzt wurden, war niedrig und stellt ein Risiko für die genetische Diversität dar
- Die Anzahl der importierten Hunde ist im Laufe der Zeit deutlich gestiegen mit entsprechender Zunahme an Würfen, die aus importierten Hunden hervorgingen
- Die durchschnittliche Wurfstärke ist 5, mit merklichem, aber mäßigem Anstieg (Anmerkung: Zum Vergleich die gleiche Studie zum Kurzhaarteckel: 5)
- Der durchschnittliche IK für die in 2021 geborenen Hunde betrug 11,3% (Anmerkung: Zum Vergleich die gleiche Studie zum Kurzhaarteckel: 3,3%)
- Es gab eine deutliche und negative Verbindung zwischen IK und Wurfstärke – Würfe mit höherem IK neigten dazu kleiner zu sein
- Der durchschnittliche Verwandtschaftsgrad der Hunde, von denen anzunehmen ist, dass sie noch leben ist 16% – i.e. der durchschnittliche Langhaar Collie in der derzeitigen Population ist enger verwandt mit jedem anderen Hund in der gleichen Kohorte wie Cousins 1. Grades, aber nicht ganz so eng wie Halbgeschwister.
- Im Laufe der Zeit gab es starke Hinweise auf die Nutzung von popular sires
- Väter mit Stud Book Number hatten einen deutlich höheren Anteil an den Würfen
Allgemeine Pedigree Statistik
Zum Oktober 2022 bestand das Pedigree (das gesamte Abstammungspotential) des Langhaar Collies aus 120.866 Hunden, von denen 111.201 in GB geboren und eingetragen wurden (Breed Register, Wurfeintragungen).
Importe
Insgesamt wurden 632 (235 Rüden und 397 Hündinnen) Langhaar Collies aus 35 Ländern importiert. Die meisten Hunde (24,7%) kamen aus Irland. Von den Importen wurden 48,1% Rüden und 49,8% Hündinnen zur Zucht eingesetzt. Es gibt einen deutlich anwachsenden Trend der Anzahl der Importe 1990-2021, die Zahl wuchs jährlich um 1,4 pro Jahr, aber die Anzahl der Importe hat nach einem Höhepunkt von 50 geboren in 2016 abgenommen.
Demographie
Die Eintragungszahlen gingen von 1990 4.380 auf 578 in 2021 zurück. Die Rasse befindet sich derzeit in der Liste der gefährdeten englischen Rassen „unter Beobachtung“ (Rassen mit 300-450 Eintragungen im Jahr).
Anmerkung: 2024 waren es 453 – für 2025 liegen nur die 1. Drei Quartale vor: 264 Eintragungen – 2024 waren das noch 354 – im 4. Quartal kamen 99 hinzu. Es ist nicht zu erwarten, dass das 4. Quartal 2025 noch 99 Eintragungen bringt… und so ist das Risiko hoch, dass der Langhaar Collie ebenso wie der Kurzhaar zu den „vom Aussterben bedrohten“ Rassen gehört.
13,3% aller in GB geborenen Collies zwischen 2005 und einschl. 2015 wurden bis heute zur Zucht eingesetzt und nur 6,8% der in GB 2015 geborenen Rüden wurden zur Zucht eingesetzt. Das deutet auf eine hohe Selektionsdichte hin und konsequenter Weise eine beträchtliche Einschränkung der genetischen Diversität.
Wurfstärke
Die Berechnung erfolgt aufgrund der Informationen aus dem Register. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Zahlen nicht die komplette Anzahl der tatsächlich geborenen Hunde zeigen. Einige Züchter melden nicht alle Welpen eines Wurfes und das Register erfasst keine totgeborenen oder kurz nach der Geburt verstorbenen Welpen. Es kommt hinzu, dass – wenn auch selten – einige Züchter falsche Angaben machen, z.B. indem sie Welpen aus zwei Würfen in einer Registrierung zusammenfassen.
Im Durchschnitt haben Collies 5 Welpen pro Wurf (1-12, im Mittel 5, Standardabweichung 2.1). Die durchschnittliche Wurfstärke hat mäßig zugenommen von 4,5 in 1990 auf 5,1 in 2021.
Genetische Diversität
Die Inzuchtrate in der digitalen Datenbank von Hunden geboren zwischen 1990 und 2021 weist einen Anstieg zwischen 1990 und 2002 aus, aber sie hat seither abgenommen. Es scheint, als ob die genetische Diversität zunimmt. Aber das ist biologisch in einer geschlossenen, im UK gezüchteten Population, nicht möglich, da sie alle aus dem gleichen Genpool stammen. Deshalb ist derzeit keine zuverlässige Schätzung der effektiven Populationsgröße möglich.
Wie es scheint, ist die Inzuchtrate niedriger durch den Einsatz von Importhunden, was einen IK von 0 ergibt. Ohne diese wäre der IK beträchtlich höher.
(Anmerkung: die meisten Importe gehen direkt auf die gleichen Vorfahren wie die englischen zurück, wenn auch ein paar Generationen weiter hinten. Das kann aber die Datenbank nicht sehen. Daher kann man von einem höheren IK ausgehen – ganz zu schweigen vom genomischen IK, den leider die wenigsten testen lassen.)
IK und Wurfstärke
Würfe mit höherem IK waren kleiner. 10% Veränderung des IK reduzieren die Wurfstärke um -0,1 Welpen.
IK in geplanter Zucht gegenüber Verkaufszucht
Der IK ist bei geplanter Zucht (d.h. Würfe, bei denen wenigstens ein Elternteil eine Stud Book Number hat) höher als in Verkaufswürfen (i.e. Würfe, in denen kein Elternteil eine Stud Book Number hat).
Obwohl der Unterschied des durchschnittlichen IK in geplanter und Verkaufszucht unterschiedlich ist, ist der Trend bei beiden Gruppen ähnlich. Der IK nahm zwischen 1990 und 2007 in Verkaufswürfen und bis 2013 in geplanter Zucht zu, aber ist seither rückläufig. Das zeigt, dass die Bedeutung der genetischen Diversität und das Bewusstsein der Gefahren der Inzucht in beiden Züchtergruppen zugenommen haben, aber der Inzuchtgrad bleibt in geplanter Zucht höher.