Sandiacre Softly Softly
Ich habe seit 1965 die Crufts, später dann mit deutschen Züchtern viele englische Zwinger, besucht und viele, viele Collies gesehen. Leider war damals Fotografieren noch eine komplizierte Sache. Wenn ich im Leben etwas bereue, dann ist es, dass für mich die digitale Fotografie viel zu spät kam. So viele wunderbare Menschen und Hunde durften wir kennenlernen und selten blieb ein Erinnerungsfoto übrig… Vieles vergisst man – und wenn ich mich mit Waltraut Reinhard unterhalte, mit der ich viele aufregende Fahrten machte, dann erinnert sich jeder an etwas anderes… als wäre man gar nicht dabei gewesen… aber so manches bleibt hängen. Bestimmte Menschen und Hunde prägen sich ein. So auch Softly Softly. Ich erinnere mich nicht ihn je gesehen zu haben, vielleicht in einer Klasse auf der Crufts. Aber unvergesslich wird für mich sein Name durch seine Kinder. Man konnte sofort sehen, wenn er der Vater war. Waren da Collies mit einem Kopf und Ausdruck, der Waltraut und mich ins Schwärmen brachte… dann war das Nachzucht von Softly Softly. Insbesondere Hündinnen… Damals waren viele Collies nervenschwach, die Nachzucht von ihm, die wir sahen, waren freundliche und aufgeschlossene Hunde. Sonst hätte ich kein positives Bild von ihm, denn kein Hund kann so schön vererben, dass man dafür scheue Hunde in Kauf nehmen darf. Aber das war leider oft der Fall.
Inzucht
Betrachten wir uns seine Abstammung so höre ich schon die Kritik: Inzucht! Ja, er entstammte einer Vater-Enkelin-Verpaarung. Damals ein Pedigree, wie man es sich wünschte. Die Mutterlinie hätte man als Outcross bezeichnet. Aber wir dürfen eines nicht vergessen: Damals waren die Züchter rigoroser in der Selektion. Oftmals hatten sie Zwingeranlagen mit mehreren Hunden, man war viel eher bereit Hunde, die sich nicht als zuchttauglich erwiesen, in privat abzugeben. Heute wird das als unredlich angesehen, aber das ist so wie „wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Zucht bedeutet strenge Auslese, auch wenn es wehtut. Auf solch eine Weise konnte durch Inzucht auch Unerwünschtes aussortiert werden.
Ahnentafeln handgeschrieben und gesammelt…
Heute clicken wir im Collie Breed Archive 10 Generationen auf. Damals schlug man sich mit mühsam ersammelten, handgeschriebenen Ahnentafeln herum. Ob die immer so korrekt waren, weiß man auch nicht. Welpen bekommen in England nicht automatisch eine Ahnentafel, wie wir das kennen. Sie werden beim Royal Kennel Club registriert. Nur für den Export muss man eine Ahnentafel kaufen. Wer etwas über die Abstammung wissen wollte, musste wirklich zu den Züchtern und hoffen, dass sie ein paar Generationen nachweisen konnten. Man konnte die Vordrucke für Pedigrees damals kaufen. Dann gab es noch Jahrbücher, in denen manchmal ein Foto zu finden und etwas über bestimmte Hunde zu lesen war.
Keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse
Und was es überhaupt nicht gab waren wissenschaftliche Erkenntnisse. Man lebte und züchtete anhand von Erfahrungen, die mit etwas Glück an die jungen Züchtergenerationen weitergegeben wurden. Oftmals war man gar nicht bereit seine Erkenntnisse zu teilen, damit die Konkurrenz nicht profitieren konnte. Das The Collie von Margaret Osborne war die Bibel schlechthin, denn die Autorin betrieb Ahnenforschung und konnte zu vielen Hunden noch etwas sagen. Ohne sie wüssten wir im Grunde gar nichts!
Das Hundegenom war längst nicht entschlüsselt, Gentests ein noch nicht erfundenes Wort. Informationen zu Krankheiten wurden mit wenigen Ausnahmen unter vorgehaltener Hand weitergegeben. CEA oder gar MDR 1 waren unbekannt. Es gab blinde Collies. So weiß ich z.B. von zwei blinden Zuchtrüden… das war allgemein bekannt. Die Tiere taten einem leid, aber an genetische Konsequenzen dachte niemand.
Wenigstens 10 Generationen…
Ehe man den Stab bricht, sollte man sich mit der Geschichte befassen und froh und dankbar sein, dass wir heute wissen, wo Risiken liegen und den Stand der Rasse besser kennen – und dass sofort ein Umdenken einsetzen muss, will man die Rasse erhalten. Ohne die 10 Generationen würden uns bis heute die Jahrzehnte zurückliegenden Inzuchtgenerationen nicht auffallen. Aber nur wenn wir wenigstens 10 Generationen und noch besser weiter zurückgehen, erkennt man Zusammenhänge und die Verdichtung. Selbst der 10 Generationen-IK der derzeit geborenen Hunde verfälscht das Bild, was sich in dem viel höheren, durchaus alarmierenden genomischen IK widerspiegelt. Eine Ahnentafel auf Papier hat heute nur den Wert, zu sehen, wer die Hunde waren um die Möglichkeit zu haben, vielleicht sogar noch die Großeltern persönlich kennenzulernen. Nur dann kann man sich ein Bild von einem Hund machen, seine Persönlichkeit, sein Wesen und natürlich sein Aussehen, das auf Fotos ja immer nur eine geschönte Momentaufnahme darstellen kann. EMK

Nachruf auf Sandiacre Softly Softly
von seiner Züchterin Sandra Wigglesworth für die Collie Revue Nr. 9 vom September 1979
Dieser wundervolle Hund war ohne Zweifel mein liebster Collie. Wir hatten eine Bindung, die nur Herr und Hund haben können! Er hatte einen wunderbaren Charakter! Von Anfang an hat er mein Herz mit seinen wunderschönen Augen, die diesen einmaligen Ausdruck besaßen, erobert. „Copper“ drückte in seinem ganzen Wesen stets aus, wie glücklich er war.
Als Junghund verschaffte er sich einen guten Namen als Bester Junghund der Ausstellung und Bester Rüde auf fast jeder Collie Club Schau des Jahres. Als erwachsener Rüde hatte er die Kunst des Deckens erlernt, was nun zu seinem Hauptinteresse wurde und er diese stets einer langweiligen Ausstellung vorzog.
In seinem ersten Wurf war der CC-Sieger Lynway Some Loving, was ihm einen guten Start für eine erfolgreiche Karriere als Zuchthund einbrachte. Er konnte nun gar nicht mehr begreifen, warum er jemals eine Ausstellung besuchen sollte, denn er stand da, wedelte mit der Rute und lachte oder sprang an mir hoch, legte seine Pfoten auf meine Schulter und leckte mir über das Gesicht. Wozu sollte er seine Ohren für den Richter zeigen? Sein Ruf als Zuchtrüde stieg von Wurf zu Wurf. Besucher kamen aus aller Welt, um ihn zu sehen, und fast jeder verliebte sich in ihn, so wie ich es tat.
Im April dieses Jahres wurde „Copper“ nach seinem neunten Geburtstag krank. Nach allen ärztlichen Bemühungen mussten wir die schmerzliche Entscheidung treffen ihn einschläfern zu lassen, um weiteres Leiden zu ersparen, da er einen unheilbaren Tumor hatte.
Folgendes wurde in der Dog World
geschrieben, was „Copper“ vollkommen gerecht wird:
….“Wenn man Hunde hält, muss man Trauer und Herzeleid ebenso wie Triumphe einkalkulieren. Ich habe leider die traurige Aufgabe, all seinen Bewunderern die Nachricht zu überbringen, dass Sandiacre Softly Softly eingeschläfert werden musste, um weiteres Leiden zu ersparen. Ich weiß, dass Sandiacre niemals wieder sein wird, wie es einmal war. Er bot ein herrliches Bild, sein Ausdruck zeigte seine Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Im Ring zeigte er lieber die Liebe zu seiner Herrin als seine Ohren und ich werde nie vergessen, wie er da stand Schwanzwedelnd und lächelte – ein großartiger Botschafter für seine Rasse. Als Zuchtrüde hat er einen enormen Einfluss auf vier englische Champions Sandiacre Scarlet O‘Hara, die Rassebeste auf der Crufts 1977, Sandiacre Smarty Pants, Romadale Rothschild und Conksbury Katheryn Howard und den CC-Siegern Lynway Some Loving und Silvafox Severine. Im Ausland gehören zu seinen Nachkommen der irische Champion, Lynrith Limelight, franz. Ch. Cinlocks Clarissa, norw. Ch. Sandiacre Spy Trap, südafrikanischer Ch., Corydon Polly Wagtail, port. Ch. Nellwyns Summer Serenade, Austr. Ch., Piphony Caramea. CC-Sieger Nachkommen im Ausland sind: Speed Limit of Sandiacre und Northdale Nightingale in Schweden, in Frankreich, Corydon Commander Polly, In Deutschland Carlyn Chieftain of Sandiacre, Sandiacre Sunny in der Schweiz und viele Spitzentiere mehr. In England kommen 15 res. CC-Sieger dazu. So viele Menschen auf der ganzen Welt werden um ihn trauern und dankbar sein für das, was er gebracht hat und auch noch weiterhin bringen wird, denn es ist interessant festzustellen, dass die beiden sensationellen Brüder von Tom Purvis Champions Danvis Ladyvale Blue Mist und Macade über ihren Vater ebenfalls auf ihn zurückgehen.“
Wir sind stolz darauf, dass er ein solch führender Zuchtrüde war und glauben, dass sein Einfluss noch viele Generationen zu spüren sein wird. Wir hatten großes Glück, einen solchen Gentleman besitzen zu dürfen. Er wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen in Erinnerung an die Freude, die er mir bereitet hat.
