Es ist als wäre es gestern gewesen und nicht ziemlich genau 50 Jahre her, als der Zuchtrichter Heinrich Becker zu mir sagte: „Eva, da sind junge Leute, aus denen wird etwas! Die musst du kennenlernen!“
Im Oktober 1985 wurde diese Reportage in der Zeitschrift „Hundewelt“ veröffentlicht. Damals stand die Zucht, die europaweiten Einfluß nehmen sollte, noch in den Anfängen. 1971 war der erste Collie bei Reinhards eingezogen – 2021 fiel der letzte Wurf. 50 Jahre Colliegeschichte…
Im stillen Tal des Glan erschallt fröhliches Hundegebell, wenn man sich dem Anwesen der Reinhards nähert. Weit ab vom Dorf, inmitten grüner Wiesen am dicht bewachsenen Ufer des Glans, in dem man noch Hechte und Aale angeln kann, hat der derzeit erfolgreichste deutsche Collie-Züchter sein Domizil.
Vor rund 14 Jahren kauften Klaus und Waltraut Reinhard ihren ersten Collie, die tricolourfarbene „Conni“.



Gesagt, getan. „Conni“ wurde von dem in Holland stehenden englischen Importrüden gedeckt und brachte einen erstklassigen Wurf. „Belinda“ gewann unter anderem ein CACIB (Anwartschaft auf den Titel internationaler Schönheitschampion) und „Black Baby Love“, genannt Dixie, mehrmals vorzüglich. Sie blieb zur Weiterzucht zu Hause. Bruder „Blacky“ machte sich in Frankreich als der Deckrüde einen Namen.

Als Partner für „Dixie“ wählten sie einen Halbbruder väterlicherseits, um so den gewünschten Typ zu festigen. Auch diese Paarung wurde ein voller Erfolg. „Isabell“ blieb zu Hause und wurde internationaler Champion. Die Paarung wurde wiederholt und „Nancy“ errang den Titel deutscher Champion. Bruder „Tom“ ist ein gefragter Deckrüde in der Schweiz. Inzwischen hatten Reinhards in Holland eine Zuchthündin gekauft, die sie ihrem Ziel einen Schritt näherbringen sollte.
Einen Schritt? Es sollte ein Sprung werden, doch das dauerte noch ein paar Jahre. Inzwischen kaufte man aus einer Zwingerauflösung eine englische Importhündin aus der Zucht, auf der die Reinhards aufbauten. „Alice“ zog ins Tal des Glan. Nun hatte man einen hervorragenden Hündinnenstamm, aber die passenden Rüden zu finden, die die Zucht weiter bringen sollten, war schier unmöglich.

1980 endlich fand man „Jamie“ bei einem Besuch englischer Züchter. Dieser Rüde verkörperte nicht nur selbst den Typ, den sich die Reinards für ihre Hündinnen wünschten, sondern seine Mutter, mehrere Geschwister und Kinder, die zu besichtigen waren, waren ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Wenn dieser Rüde nicht zu den Hündinnen passte und schöne Nachzucht brachte, wer sonst? Und tatsächlich – Züchterträume gingen in Erfüllung: „Pretty“, die Holländerin, brachte „Carrie“, Schweizer und internationaler Champion, „Cheyenne“ Sieger in der Schweiz, „Corner“ internationaler Champion und „Cookie“. Die drei Kinder von „Alice“ sind unersetzliche Zuchthunde mit erfolgreichem Nachwuchs. Eine Tochter von „Pretty“ brachte ebenfalls mit „Jamie“ ausgezeichnete Welpen.

„Cookie“ jedoch ist der absolute Star im Zwinger. Er ist nicht nur ein sehr schöner Collie, der mit 17 Monaten sein erstes CACIB gewann und im Handumdrehen die Titel internationaler, deutscher VDH, Champion, Bundessieger, Winner und Weltsieger erlangte, sondern er erwies sich als hervorragender Verderber, dessen Kinder beachtliche Ausstellungserfolge davon tragen sollten. Die hohe Qualität der Nachkommen von „Pretty“ und „Jamie“ sowie die genaue Kenntnis der Vorfahren beider Hunde über Generationen hinweg, veranlassen die Reinhards einen Inzuchtversucht zu wagen. „Carrie“ warf im Januar 1984 vier Rüden nach „Cookie“. Daraus blieb „Ostwind vom Haus Reinhard“ zu Hause. Seine Geschwister gingen fast alle in Züchterhand, nicht ein Welpe zeigte irgendwelche Mängel oder Schwächen. „Ostwind“ wuchs zu einem stattlichen, starken Rüden heran, der wiederum im Alter von nur 15 Monaten sein erstes CACIB gewann und dem nur noch eine Anwartschaft zum Titel internationaler Champion fehlt. „Ostwinds“ Kinder sind noch klein, aber schon recht vielversprechend.

Die bildliche Vorstellung eines Zuchtziels und der zielstrebige Aufbau eines Zuchtstammes führten Reinhards zum Erfolg. Natürlich gab es auch Rückschläge, Planungen schlugen fehl, teuer gekaufte Hunde entwickelten sich nicht wie erhofft, bei wertvollen Hündinnen blieb die ersehnte Nachwuchs aus. Doch jeder Fehlschlag spornte die Reinhards an Lehren zu ziehen und erneute Versuche zu starten.

Zum Zuchterfolg gehören aber nicht nur das gewisse Auge für einen guten Hund, das ständige Lernen um die Feinheiten der Rasse, die fortwährende Suche nach dem besten Zuchtmaterial ohne Kosten und Mühen zu scheuen. Ohne artgerechte Hundehaltung, die garantiert, dass sich die Hunde wohl fühlen, geht es nicht. Toi, toi, toi bislang blieben die Reinhards von Geburtsschwierigkeiten und Krankheiten weitgehend verschont. Impfungen und Wurmkur werden sorgfältig vorgenommen, die geräumig Zwinger und der Auslauf peinlich sauber gehalten. Am Futter wird nicht gespart, sondern nur das Beste, wenn auch teuerste Futter auf dem Markt, wird gereicht. Dazu bekommen die Hunde gelegentlich selbst geangelten Fisch. Langlebigkeit und robuste Gesundheit beweisen die Veteranen im Haus Reinhard: „Conni“ mit 14, „Askan“ mit zwölf, „Dixie“ mit 11, „Isabell“ mit acht und „Eyriny“, die erste internationale und belgische Champion, mit zehn Jahren. „Pretty“ und „Alice“ starben in diesem Jahr 13 bzw. 10 jährig.

Um eine gute Zucht aufzubauen muss man die besten Jungtiere aufziehen, und wer sich nicht rigoros von den alten Hunden trennt, hat schnell eine stattliche Hundemeute zu betreuen. Hundemeute kann man bei Reinhards getrost sagen. Die Hunde haben geräumige Zwinger zur Verfügung, in denen sie zu zweien leben, doch nur nachts oder in Abwesenheit der Züchter sind die Zwinger verschlossen. Tagsüber laufen Welpen, Junghunde und Alttiere gemeinsam im Hof. Selbst die erwachsenen Deckrüden leben friedlich miteinander, denn sie können ihre Rangordnung klären und bewahren. Nur wenn eine Hündin läufig ist, erhitzen sich die Gemüter und der heilen Ohren und eventuell verkratzter Gesichter wegen werden die Streithähne getrennt. Wer ins Haus der Reinhards möchte, muss an allen Hunden vorübergehen, das Familienleben draußen spielt sich immer unter Hunden ab. Die drei Kinder der Reinhards sorgen zusätzlich dafür, dass alle Hunde von klein an engen Kontakt mit ihren Menschen haben. Das größte Vergnügen ist jedoch der tägliche Freilauf in den Wiesen, bei dem sich alle Hunde nach Herzenslust austoben können. Es sind auch die schönsten Stunden der Reinhards am Tag, wenn sie ihre herrlichen Tiere fröhlich spielend beobachten, denn frei laufen dürfen sie nur unter Aufsicht, damit keiner auf die Idee kommt, auf eigene Faust spazieren zu gehen.

Reinhards sind natürlich stolz auf die vielen Pokale und Urkunden ihrer selbst gezüchteten Hunde. Doch der schönste Erfolg für sie ist, wenn an den Wochenenden die Käufer ihrer Welpen einen Ausflug in das idyllische Glantal machen, um stolz und glücklich ihre Hausgenossen dem Züchter vorzuführen. Reinhards Hunde sind nämlich nicht nur schöne Ausstellungsobjekte, sondern echte Collies, intelligent, fröhlich, zärtlich und lieb, die ihren Besitzern unendlich viel Freude schenken.