Collieschau einmal anders…

Nachdem die Meldezahlen im VDH drastisch zurückgehen, war ich neugierig auf eine reine Collieschau mit 69 gemeldeten Hunden. Noch neugieriger machte mich jedoch die Tatsache, dass es sich bei der Europasiegerschau des Vereins Amerikanische Collies Europa e.V. nicht um eine VDH-Schau handelte und Joe Reno, Hi Crest Collies, ein Spezialrichter und erfolgreicher Züchter aus den USA, richtete, den ich kannte. 

Joe Reno mit der Jüngstenklasse Hündinnen 7-12 Monate

Veranstaltungsort, Bewirtung und Organisation waren in jeder Beziehung hervorragend. Bei der Meldung wurde abgefragt, ob man in einem der großen Zelte am groß angelegten Ring Platz oder Sitzplatz brauchte oder eigenes Equipment mitbrachte. Ich finde diese Idee großartig, denn Leute, die nur mal eben ausstellen wollen, wissen nicht so recht, wie sie das ohne Wetterschutz, Boxen etc. anfangen sollen und bleiben lieber weg. 

Foto: Doris Stumpf
Foto: Doris Stumpf

Zugelassen wurden Hunde aus allen Verbänden und nach US-Standard gerichtet. Entsprechend waren nur Hunde mit US-Wurzeln angetreten. Joe Reno befasste sich liebevoll mit jedem Hund und besprach seine platzierten Hunde für das Publikum. Die Sieger erhielten prächtige Pokale. Best in Show wurde eine auf FCI-Schauen erfolgreiche US-Importhündin aus den Niederlanden. 

Collies

Mein erster Eindruck, als ich das Gelände betrat, ließ mein Herz höherschlagen. Eine Dreiergruppe kam mir entgegen: Große, stattliche, elegante Collies mit glänzendem Fell in leuchtenden Farben, breiten Halskrausen und Blessen auf schlanken Köpfen und dem collietypischen Lächeln im Gesicht! Sie schritten voran wie edle Pferde mit fröhlich wedelnder, nicht über Rückenhöhe hinausgehender Rute. 

Nachzucht sehen

Ziel dieser Schau war es, die Entwicklung der Zucht zu sehen, weshalb viele Hundebesitzer ohne Showerfahrung teilnahmen und so mancher Hund nicht gerade in bester Showverfassung war. Dafür wurden die Hunde (nach einem Ringtraining Workshop am Vortag) gut präsentiert und in Zucht-und Nachzuchtgruppen gezeigt. Leider konnte ich nicht so lange bleiben, um den BIS und die Gruppen zu sehen.

Nicht im Trend

Es gibt keinen perfekten Hund – jeder hat Vorzüge und verbesserungswürdige Punkte. Kritisch wird es, wenn schwerwiegende anatomische Mängel und ein Kopftyp, der so gar nicht mit dem Colliestandard vereinbar ist, im Trend liegen und von Richtern belohnt werden, während Collies einfach weil sie – im Standard – und ich meine NICHT den amerikanischen – aber anders sind mit krassen Abwertungen rechnen müssen und oft Mühe haben, die erforderlichen „sehr gut“ Bewertungen für die Zuchtzulassung zu erlangen. Diese Hunde hier lagen nicht im Trend – bei deren Anblick wäre aber auch niemandem eingefallen am Colliering zu fragen: „Wo sind denn die Collies?“ 

Rassetyp ist, wenn man einen Hund auf der Straße trifft und sagt: „Schau mal, ein Collie“. Das war die Antwort der vortragenden Wissenschaftlerin zum Thema „Zucht in einem engen Genpool“ anlässlich der ICS Konferenz in Finnland 2025, auf die Frage, was man unter Rassetyp versteht. 

Auf dieser Schau habe ich einen (1!) gesehen, der hackeneng war (ich habe mehr Hinterhände als Köpfe fotografiert…), während ich auf VDH/FCI-Titel-Schauen schon Mühe hatte Hunde mit korrekter Hinterhand zu sehen. Tatsächlich sah ich im Vorübergehen eine hohe Ringelrute und einige bei Imponiergehabe der Rüden aufrecht erhobene Rute. Es gab einen Hund, der pöbelte und zwei oder drei, die sich offensichtlich unwohl fühlten. Die überwiegende Mehrheit lief frei, fröhlich, zügig und ausgreifend. Leider gab es viele Stehohren. Das erinnerte mich an die Zeiten, als wir noch bei jedem Welpen bangen mussten, ob die Klebehilfen denn zum erwünschten Kippohr führten. Ein Grund, warum die später aufkommenden tief gekippten, seitlich angesetzten Ohren so überhandnahmen – denn das war eine große Sorge weniger – und ja, Stehohren sind scheußlich – aber den verträumten, einmaligen Collieausdruck gibt es nur mit korrekt angesetzten Kippohren! Dennoch handelt es sich um einen rein kosmetischen Mangel. So platzierte Joe Reno auch Hunde mit Stehohren entsprechend ihrer Gesamtqualität.

Typenvielfalt – Genvielfalt

Schönheit liegt im Auge des Betrachters – jeder findet seinen Hund „schön“ – jeder soll auch „seinen Typ“ züchten – aber Aufgabe der Richter ist es neutral gegen den Standard abzugleichen – so können durchaus in einer Reihe platzierter Hunde die unterschiedlichsten Typen stehen. Vor allen Dingen muss man sich vor Augen führen, dass Typenvielfalt einher geht mit genetischer Vielfalt, die nicht nur aus Haplotypen besteht, sondern jedes Merkmal hat sein Genpaket, das es mit jeder Verpaarung neu zu mischen gilt. Vorbei die Zeiten nach Hunden zu streben, die einander gleichen wie ein Ei dem anderen. Früher hatten wir mit Glück 1 „schönen“ Hund im Wurf, heute fällt es schwer eine Auswahl zu treffen, weil sie so durchgezüchtet sind! Das gelang mit Hilfe von Inzucht. Heute sind wir am Punkt des Umdenkenmüssens angelangt. Das gilt für viele Rassen. Man braucht die Typenvielfalt, man braucht sie alle, wenn man nicht in eine Sackgasse geraten will – sprich in Trends mit genetisch fest verankerten Mängeln zu verfallen. Noch gibt es beim Collie in Deutschland, auch im VDH, die Typenvielfalt! Und es wird Zeit, dass jeder Typ für sich fair im Rahmen des Standards beurteilt wird! Egal woher die Hunde kommen. 

Damals war’s… zurück in die Zukunft?

Da mich das Thema der Trennung in VDH und nicht VDH seit Jahrzehnten aufregt und ja, nur VDH-Hunde in einem Zuchtbuch geführt werden, das bis zu den Anfängen nachvollziehbar ist, möchte ich daran erinnern, wie früher damit umgegangen wurde. Es ist ein Vorteil des Altwerdens, dass man viele Jahrzehnte in eigener Erfahrung zurückblicken kann. Man neigt dazu, das was als Regel vorgegeben ist, nicht zu hinterfragen und hinzunehmen. Aber das ist Unsinn… man muss immer wieder überdenken, neu bewerten und vielleicht auch mal gucken, wie haben die das eigentlich früher gemacht??

Massenzüchter und Hundehandel

In den 1960er Jahren gab es viele Züchter, es galt, dass eine Hündin einmal Welpen gehabt haben sollte, um gesund zu bleiben, und dass – wenn man schon Geld für einen Rassehund ausgab – sich das durch einen Wurf einwirtschaften lassen sollte. Es gab keine Auflagen zur Unterbringung etc. Die Zuchtbücher sind voll von A-Würfen. Meist blieb eine Anka oder Asta zu Hause, und dann erwachte bei dem einen oder anderen der Wunsch eine eigene Zucht aufzubauen. Doch die VDH-Zucht konnte den Bedarf damals ebenso wenig wie heute abdecken. Collies waren gefragt und wurden im großen Stil von Massenzüchtern für die lokalen Hundehändler und Versandkaufhäuser vermehrt. Auch das reichte nicht, viele Welpen kamen aus Holland und Dänemark mit FCI-Papieren! Sie waren jedoch vom uralten Typ und konnten auf Ausstellungen keinen Blumentopf gewinnen. VDH-Züchter durften nicht mit Händlern kooperieren. So haftete an nicht VDH-angeschlossenen Züchtern der Schatten des skrupellosen Vermehrens.

Niemand wurde ausgeschlossen

Ständig kamen Hunde aus dem Handel, mit FCI-Papieren oder nicht, auf den Club für britische Hütehunde zu. Was machte man? Man registrierte die ohne FCI-Papiere und ließ die Hündinnen (keine Rüden) zur Zucht zu. Das Argument war: Wer züchten will, der züchtet sowieso. Konkurrenz durch die Welpen wird es so oder so geben, aber im Verein hat man nicht nur die Gebühren, sondern die Hoffnung, dass daraus Züchter im Verein erwachsen, und Deckgelder blieben ebenfalls in den eigenen Reihen. Wenn es nur bei einem Wurf blieb war es sowieso egal. Aber erst mal hatte man die Menschen unter Dach und Fach und die Welpenkäufer würden sich wiederum an den Club wenden, der auf ihrem Registerbeleg steht. Viele auf Jahre hinaus erfolgreiche Züchter fingen so an. Die Saat ist aufgegangen! Aber auch die Hunde vom alten dänischen und holländischen Typ und solche mit VDH-Papieren und gravierenden Mängeln ließ man zu einem Wurf zu, um die Besitzer nicht vor den Kopf zu stoßen und sie in den eigenen Reihen zu halten.

So hatte die Mutter meiner ersten Hündin einen daumesdicken Überbiss und Schlappohren, aber ein gutes Gebäude und gutes Wesen. Natürlich hatte von allen Welpen ausgerechnet meine Hündin einen leichten Überbiss und schwere Ohren geerbt…

Nur zum Beispiel 1977 Club für Britische Hütehunde: über 900 Eintragungen. Ins Register wurden 63 Collies aufgenommen, davon 9 Würfe. 1978 waren es 1.020 Eintragungen, 72 Registrierungen incl. 5 Würfen. 

Alte Wege neu begehen?

Das waren kluge Schachzüge des Clubs. Später, als sich außerhalb des VDH eigenständige Zuchtstätten entwickelten, argumentierte man: Kriegt man seinen Hund im VDH nicht zur Zucht zu, geht man raus und die Welpen kommen dann über das Register wieder rein, die strenge Regulierung locker umgehend. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Diskussionen, die wir damals im jungen DCC führten. Folge: Es entwickelte sich – ich kann nur für die Collies sprechen – eine Population außerhalb des VDH.

Inzwischen MUSS der VDH nach einem Gerichtsurteil die Registerzucht zulassen. Viele Rassezuchtvereine arbeiten mit Registerzucht, beide für den Collie im VDH zuständigen Vereine nicht, aber kluge Entscheidungen können ja jederzeit noch getroffen werden.