
Anlässlich der Welthundeausstellung in Helsinki veranstaltete die International Collie Society einen Kongress. Dafür gab der finnische Collieclub eine sehr interessante Broschüre heraus. Die finnische Colliezucht ist etwas ganz Besonderes. Bis vor einigen Jahren gab es noch Quarantäne und Importe waren mit großem Aufwand verbunden. Dennoch importierten sie Collies aus den besten Zwingern des Mutterlands. Anhand ihrer Literatur kann man sehen, dass sie stets einen sehr hohen Standard hatten. Wann immer Richter – aus England und Deutschland – aus Finnland zurückkehrten, äußerten sie sich begeistert über die Qualität der Collies, insbesondere der Kurzhaars.
Ich danke Satu Havukainen für die Erlaubnis aus der Broschüre zitieren zu dürfen.
Entwicklung nach dem Krieg
Die Finnish Collie Association wurde 1946 gegründet und hat heute 1.638 Mitglieder. Eine Zahl, an die sicherlich beide Zuchtvereine in Deutschland nicht annähernd herankommen. Bei dieser Gelegenheit muss man einwerfen, dass Finnland insgesamt 5,6 Millionen Einwohner hat – das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Berlin und Hamburg. 2024 wurden bei uns 623 Langhaars eingetragen, in Finnland knapp unter 500. Wenn man das mit der Bevölkerung vergleicht, dann ist der Collie in Finnland offenbar sehr viel populärer als in Deutschland, oder gar im Mutterland (69 Mio Einwohner), die es noch nicht einmal auf 500 Eintragungen brachten.

Nicht nur schön
Ich bin überzeugt davon, dass der Erfolg der Rasse davon abhängt, dass dem Wesen eine große Bedeutung beigemessen wird. Seit dem Jahr 2000 haben 2.096 Langhaars und 1.256 Kurzhaars an dem finnischen Wesenstest und 103 Langhaars und 165 Kurzhaars an der Mentalbeschreibung teilgenommen. Die Ergebnisse der Wesenstests liegen seit 1978 von 1.978, und seit 2009 von der Mentalbeschreibung vor. Die Prüfungen folgen dem Beispiel der schwedischen Wesensüberprüfungen. Eine dritte Option gibt es seit kurzem vom Finnischen Kennel Club zur Wesensüberprüfung zur Zucht bei einigen Rassen. Ursprünglich für das Gebrauchshundewesen wie bei Rottweilern und Schäferhunden gedacht, ist das Ziel heute der belastbare Familienbegleithund.
Sport mit Collies
Die Arbeit mit Collies mit nationalen Leistungsprüfungen scheint sehr populär zu sein. u. a. auch Hütearbeit. Seit 2012 haben 35 Langhaars und 29 Kurzhaars an 235/346 Wettbewerben teilgenommen und 148/254 Titel erworben. 2 L und 7 K erlangten Championtitel. Collies werden erfolgreich im Agility, Rally-O, Obedience eingesetzt.
Zucht
Über 70% aller finnischen Hunde sind reinrassige im FCI-Verband eingetragene Hunde! Das ist meilenweit entfernt von der Situation in Deutschland und die höchste Zahl aller FCI-Länder. Aber auch hier nimmt die Bewegung „adopt don’t shop“ zu und in den Medien wird zunehmend auf die negativen Aspekte der Rassehundezucht hingewiesen.
Mit nur wenigen Ausnahmen sind alle Collies im FCI-Verband (nicht bei der Collie Association, sie führt kein Zuchtbuch) eingetragene Hunde und Züchter dürfen keine Würfe ohne Eintragung züchten. Alle geborenen Hunde, deren Ausstellungserfolge, Arbeitsprüfungen und Gesundheitsdaten einschl. Todesursachen sind in der finnischen Datenbank mit Namen der Hunde nachzuvollziehen.
Zuchtbestimmungen des Finnischen Kennel Club (FKC)
Die Eltern eines Wurfes müssen einer Rasse angehören und beim FKC bzw. anerkannten Organisationen eingetragen sein.
Ausnahme ist die Verpaarung von Lang-und Kurzhaar Collie, die seit 2021 erlaubt und ab 2026 freigegeben ist.
Alle Hunde müssen identifizierbar sein.
Zuchtalter Hündinnen 18 Monate bis 8 Jahre, sie darf 5 Würfe haben mit Vorgaben zu den Abständen.
Zuchtalter Rüden 12 Monate mit Nachweis normaler Hoden im Alter von wenigstens 9 Monaten.
PEVISA – Programme for Combating Hereditary Diseases and Defects (Programm zur Bekämpfung von Erbkrankheiten und Defekten) des Finnischen Kennel Club
Anders als in Deutschland führt der Dachverband das Zuchtbuch und stellt die Regeln pro Rasse auf.
Für den Langhaar Collie:
HD ab 12 Monate Zuchtzulassung A, B und C, C muss mit A oder B verpaart werden
Ellbogen ab 12 Monate, 0 und 1 erlaubt
Klinische Augenuntersuchung nach 12 Monaten, keine Einschränkungen aufgrund der Ergebnisse
Für den Kurzhaar Collie:
wie beim Langhaar, allerdings darf C nur mit A verpaart werden.
Wurden diese Untersuchungen nicht vor dem Wurf erledigt, wird der Wurf mit der Bemerkung eingetragen: „Nicht zur Zucht“ und mit deren Nachzucht kann nicht gezüchtet werden. Zuchtausschließende Erkrankungen treffen auf etwa 10% der Hunde zu.
Zuchtregularien (JTO)
Die Finnische Collie Association ist stolz auf ihr über 100 Seiten umfassendes Programm zu den Zuchtrichtlinien. Diese wissenschaftliche Analyse des derzeitigen Stands der Rasse und künftige Bedenken basieren auf Statistiken und wissenschaftlicher Forschung und wird alle 5 Jahre überarbeitet und aktualisiert. Dieses Werk geht weit über die offiziellen Anforderungen hinaus und steht öffentlich zur Verfügung. Grundlagen sind die hervorragenden finnischen Datenbanken (Verband und Association).

Die JTO stellt die Richtlinien und Empfehlungen für die Zucht. Sie sind keine zwingenden Vorgaben wie die PEVISA das FKC für die Eintragung der Welpen. Die JTO wird jedoch vom FKC überprüft und er kann auch einschreiten, wenn nötig.
Die JTO Zuchtregularien basieren auf freiwilliger Teilnahme. Dazu heißt es: „Wir halten nichts von zwingenden Vorgaben. Wir glauben an offene Teilung von so vielen Information wie möglich. In Finnland ist es weitgehend akzeptiert, dass z.B. Gentests nicht als Werkzeug zum Zuchtausschluss betrachtet werden, sondern vielmehr im Gegenteil, Hunde mit bekannten genetischen Risiken mit mehr Sicherheit zu verpaaren. Das ist unerlässlich für die genetische Diversität, Gesundheit und Qualität in unserer geschlossenen Population. Die Finnische Collie Association und ihre Züchter stimmen weitgehend überein, dass es keine „genetisch gesunden“ oder fehlerlosen Blutlinien oder Individuen gibt, auch wenn die meisten Collies ein glückliches, gesundes und problemfreies Leben führen. Unsere Zuchtarbeit basiert fest auf Ehrlichkeit und Realität.“
Kurzhaar und Langhaar Collie
Die finnische Kurzhaarpopulation gehört mit um die 200 Welpen jährlich zu den größten in Europa. Kurzhaarzüchter waren sich immer der Problematik einer kleinen Population bewusst, obgleich sich die genetische Situation beim Langhaar kaum unterscheidet. Obwohl die Langhaars bei weitem populärer waren, mussten sie doch einige Bottlenecks in ihrer Rassegeschichte durchmachen. Es bleibt viel zu tun, um die Diversität in Zukunft zu sichern. Die Finnische Collie Association tut ihr Bestes die Züchter zu schulen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Man war stets sehr aktiv darin neue Zuchtstrategien vorzustellen, um die Rasse zu verbessern und den Züchtern unterschiedliche Möglichkeiten zu bieten, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Es wurde folgendes beim FKC beantragt:
- Verpaarung Lang- und Kurz ab 2026 uneingeschränkt, dem PEVISA Programm für KH folgend.
- Welpen werden entsprechend ihrer Haarart eingetragen
- Freigabe von sable x merle und merle x merle Verpaarungen nach DNA-Test in sicheren Kombinationen
Lang-und Kurzhaarverpaarungen wurden recht beliebt, so dass heute etwa ein Drittel aller registrierten Kurzhaarwelpen aus Kurz-Lang-Verbindungen stammen. Dies wird sowohl positive, unvorhergesehene und einige wenige negative Folgen für die Rassen haben, deshalb müssen Züchter sorgfältig vorgehen, wenn sie einen Hund benutzen, mit dem sie weniger vertraut sind.
Einige positive Auswirkungen werden jetzt schon gesehen: Langhaar Collies profitieren von der besseren Hüftgenetik und physischen Situation des Kurzhaars. Kurzhaarzüchter können starke Linienzucht vermeiden und die Wahrscheinlichkeit der nicht im PEVISA enthaltenen gesundheitlichen Probleme wie Autoimmunerkrankungen, Hautprobleme, Epilepsie, die in den vergangen zu Sorge Anlass gaben. Ferner ist die Auswahlmöglichkeit der Zuchtpartner größer. Aber am wichtigsten ist die Tatsache, dass die Fruchtbarkeit zunimmt!
Die durchschnittliche Anzahl geborener Welpen pro Wurf betrug beim Langhaar 4,9, beim Kurzhaar 5,4, während die Kreuzungswürfe bis Ende 2023 (218 Welpen) im Durchschnitt auf 6 !!! Welpen pro Wurf kamen.

Merle
Es ist gibt ausführliches Kapitel zu Merle, da man ja merle x merle unter bestimmten Voraussetzungen freigeben will, was in Deutschland von Gesetzes wegen gar nicht möglich wäre.
Was weiß man über 5 Jahre alte finnische Collies?
Aufgrund der hervorragenden Datenbanken stehen umfassende Informationen zur Verfügung. So erreichte der Kurzhaar die besten Ergebnisse aller Rassen mit 68% aller Hunde geröntgt und davon 66 % A oder B. Beim Langhaar waren es 55%, davon 39% frei. Bei den Ellbogen Kurzhaar von 68% geröntgt 78% frei, Langhaar 54%, davon 51% frei.

Augen: Kurzhaar 98% untersucht, 78% frei, Langhaar 96 % untersucht, 40% frei.
40% aller Kurzhaars wurden ausgestellt, davon 28% mit Vorzüglich, 29% aller Langhaars, davon erhielten 20% ein V.
Stolz berichtet man, dass 60% der Hunde geröntgt wurden und 95% eine Augenuntersuchung haben. Das wäre wahrscheinlich ein Weltrekord!


Das Heft schließt mit über 30 Seiten Fotos von erfolgreichen Hunden und wunderschönen Züchteranzeigen ab und bietet somit einen schönen Überblick über die finnische Zucht der Vergangenheit und Gegenwart.
Eine sehr wertvolle, gut gemachte Broschüre. Vielen Dank.